European Dust Day in Belgien 2014 – ein Event-Bericht von Philipp

So, jetzt bin ich mitten in der Nacht daheim angekommen und versuche gleich mal, die zahlreichen Eindrücke zu verarbeiten. Denn ich war in Belgien! Nicht einfach nur um leckere Waffeln zu essen (dazu im Text mehr), sondern um an der Europameisterschaft in „Dust Tactics“ teilzunehmen! Diese fand vom 15. – 16. November im ziemlich verschlafenen Örtchen Court-Saint-Etienne, einer Gemeinde in der französischsprachigen Provinz Wallonisch Brabant, statt und war Teil der großen Spielemesse „Festival En Jeux“.

Freitag, 14. November

Bevor aber die ersten Würfel rollen würden, galt es eine fast 6-stündige Fahrt zu überstehen. Ich nutzte das Angebot meiner niederbayrischen Freunde Florentine und Thomas eine Fahrgemeinschaft zu bilden, sodass mir die rund 550 Kilometer lange Fahrt nicht langweilig wurde. Nebenbei dicken Respekt an die Beiden, die ja nochmal 300 Kilometer mehr zu überwinden hatten!

Wir waren sozusagen Teil der 5-köpfigen deutschen Nationalmannschaft, die sich gegen Teilnehmer aus Belgien, Frankreich, Italien, Polen und Schweden behaupten musste. Aber wir hatten eine wirklich gute Team-Aufstellung: Mit Thomas, Sascha und Dirk waren gleich 3 ehemalige oder amtierende Deutsche Meister am Start, so dass wir mit unserem hohen spielerischen Niveau gute Chancen hatten die Vorrunde am Samstag zu überstehen und mit möglichst vielen deutschen Spielern in die Play Offs der Top 8 einzuziehen!

Ungefähr 17 Uhr ging es dann am Freitag, nach einer gemeinsamen Stärkung in einem bekannten amerikanischen Schnellimbiss, für unsere Fahrgemeinschaft los. Trotz Regen, Baustellen und Umleitungen waren wir dank der souveränen Fahrt von Florentine gegen 23 Uhr an unserem Ziel: Das kleine Hotel Avalon in Overijse, einer nahegelegenen belgischen Kleinstadt. Der Portier hatte extra auf uns gewartet, sodass wir nicht vor verschlossener Türe stehen mussten. Mit 2 Sternen war unser Schlafzimmer dann zwar auch klein und spartanisch, aber wir hatten ja eh nicht vor dort den ganzen Tag zu verbringen 😉 Und das frisch renovierte Bad war echt top! Guter Dinge legten wir uns also ermattet schlafen und freuten uns auf den nächsten Tag!

Samstag, 15. November

Viel zu früh mussten wir aufstehen! Doch frisch gestärkt nach dem Frühstücksbuffet zogen wir los, um den Europameistertitel heim zu holen! Das „Festival En Jeux“ fand statt in einer riesigen Halle im Herzen von Court-Saint-Etienne. Eine Messe nicht nur für Familienbrettspiele, sondern auch mit vielen Tabletops und Rollenspielen. Und sogar einige Comic-ZeichnerInnen boten ihre Künste an. Trockenen Fußes dorthin zu kommen gestaltete sich dann aber schwierig, denn der große Parkplatz war nach nächtlichem Regen eine einzige große Matschpfütze geworden. Als wir dann aber drin waren, fanden wir recht schnell unsere Plätze. Genau inmitten der Halle waren die Tische für unsere Europameisterschaft reserviert, und zwar quer über die gesamte Breite der Halle – Besucher, die vom vorderen in den hinteren Teil wollten (oder umgekehrt) mussten also zwangsläufig an unseren Tischen vorbei. Und hier setzt mein erster großer Kritikpunkt an: Aus diesem riesigen Potential an Schaulustigen wurde einfach NICHTS gemacht! Nicht ein einzelner Banner und kein Schild wies die Besucher darauf hin, dass hier gerade eine Europameisterschaft stattfand. Nein, es war noch nicht einmal ersichtlich WELCHES Spiel hier überhaupt gespielt wurde! Lediglich ein paar Postkarten und vielleicht 10 bemalte Figuren in einer Vitrine waren das Höchste an Promotion, was die Jungs um Paolo, Vincent und Olivier aufzubieten hatten. Dabei stand mehr als genug Platz und Personal zu Verfügung. Wenn ich mir anschaue, was links und rechts von unseren Tischen abging, dann bin ich umso fassungsloser! Kleine Stände, kaum mehr als ein Tisch breit und mit teils nur einem „Alleinunterhalter“ bestückt, zeigten wie Messe-Promotion geht! Große Banner, aufwendige Dioramen, Demotische, kostenlose Give-Aways!

Wenn jetzt jemand kommt und sagt „Ja aber Koshka war doch da!“, dem muss ich entgegnen: Ja es ist ja wirklich schön wenn extra die offizielle Dust-Cosplayerin Marie-Claude Bourbonnais aus Kanada eingeflogen wird. Und ja, sie sah auch wirklich aus wie meine Lieblingsspielfigur Koshka. Aber wie viele Besucher wissen denn, wen sie darstellt und wofür sie wirbt? Wirklich eine verlorene Chance, das Dust-Spielsystem populärer zu machen :-(

Aber wo wir schon bei Paolo Parente und dem ganzen Dust-Team sind: Absolut feine Kerle sind das! Freundlich, witzig, eben Typen mit denen man gerne mal einen Trinken gehen würde und denen man gerne sein Geld für kleine Plastik-Soldaten gibt! Wenn man sich mit ihnen unterhielt, bekam man auch einige inoffizielle Infos zugesteckt, sowohl was kommende Releases anging als auch einige Firmeninterna. Aber psst, alles geheim :-)

Die Qualifikationsrunde

Jetzt aber mal zu den Spielen. Nachdem ich mit meiner Armee bei der deutschen Meisterschaft überraschend gut abgeschnitten hatte, variierte ich meine Liste natürlich kaum. 2 x Grim-Reapers und 1 x Rattler gegen Flieger und Infanteristen, 2 x Tankbusters und 1 x Devils Own gegen Kampfläufer. Abgerundet durch 2 x The Big Boss – Kommandotruppen, waren genau 100 Punkte voll.
Mein erstes Spiel führte mich gegen den kleinen Franzosen Sram. Der trat gegen mich mit Achsentruppen im ersten Turnierszenario an. Dort ging es darum, am Ende einer Runde 4 Felder besetzt zu halten. Um es kurz zu machen: Blitzkrieg 1940! Ich hab ihn richtig hart weggewürfelt! Mit 250 zu 28 Punkten ein überragender Sieg!

Im zweiten Spiel durfte ich dann gegen einen polnischen Spieler antreten. Leider habe ich seinen Namen vergessen, aber er war ein wirklich harter Gegner. Naja, eigentlich waren sein Kommandowagen und sein Laser-Wotan ein harter Gegner 😉 Es ging über die volle Zeit, immer hin und her, am Ende blieb es dann bei einem Unentschieden. Zwar hatte ich im Spielverlauf mehr Ziele gehalten und auch mehr Gegner zerstört, aber am Ende zählt halt nur die vollständige Missionserfüllung. Aber gut, lassen wir es für die Moral als halben Sieg gelten, sonst sieht meine weitere Bilanz so mickrig aus :-(

Das dritte Spiel führte mich wieder gegen einen polnischen Spieler, nämlich den späteren Drittplatzierten Marek. Diesmal wurde das zweite Szenario gespielt, bei dem am Ende einer Runde im gegnerischen Gebäude zwei Felder besetzt werden mussten. Und hatte ich vorhin irgendwas von Blitzkrieg geschrieben? Hmm, war da nicht auch mal was mit Polen? Geschichte wiederholt sich nicht, denn Marek hat mich so schnell besiegt dass mit Hören und Sehen vergangen ist. Schon in der ersten Runde gingen die wichtigsten Einheiten vom Spielfeld, in der zweiten Runde hat Marek dann den Sack zugemacht. Dicken Respekt! Aber so hatte ich immerhin genug Zeit, mich noch mit diesem wirklich sehr netten Typ über die polnische Dust-Szene zu unterhalten und mir einige Tipps zu holen. Außerdem konnte ich mir mal anschauen, wie meine deutschen Kollegen so spielten: Sascha holte sich Sieg um Sieg, und auch Tom und Dirk lagen ganz gut im Rennen. Lediglich Florentine war vom Würfelpech verfolgt, was sehr schade ist denn ich hätte der einzigen Frau im Turnier einen besseren Platz gegönnt!

Im letzten Spiel der Vorrunde ging es dann gegen den Franzosen Sacha. Der war ein Franzose, wie man ihn aus dem Lehrbuch kennt: Höflich, fröhlich, mit langen Haaren und witzigem Akzent – Einfach ein super Typ! Wieder spielten wir das zweite Szenario und ich hab mich sogar ganz gut gegen seine Russen gehalten, aber am Ende war seine Überzahl doch erdrückend…
Dann war der Qualifikationstag schon vorbei. Aus deutscher Sicht war wirklich jedes erdenkliche Resultat dabei: Sascha hatte 4 Spiele gewonnen, Tom 3, Dirk 2, ich 1 und Florentine leider 0. Da es leider keine Zwischentabelle gab, musste zumindest Dirk darum zittern, ob er es in die Top 8 geschafft hatte, während Sascha und Tom sicher dabei waren.

Der Abend wollten wir dann gemeinsam als deutsche Mannschaft ausklingen lassen. Aber das war gar nicht so einfach, denn offensichtlich werden in Court-Saint-Etienne schon um 20 Uhr die Bordsteine hochgeklappt. Kein Mensch auf der Straße, kaum ein Lokal offen – und wenn es geöffnet ist, dann ist es menschenleer. Irgendwie erinnert mich diese Region an meine Kindheit der ostdeutschen Provinz nach der Wende, aber glaubt mir, damals war bei uns nach 20 Uhr mehr los! Wir haben dann doch noch einen kleinen Imbiss gefunden und durften uns über echte belgische Pommes freuen!

Sonntag, 16. November

Nach unserem ausgiebigen Frühstück ging es wieder zurück zum „Festival En Jeux“. Gespannt erwarteten wir die Ergebnisse des letzten Tages: Leider haben zwei Siege für Dirk nicht zum Einzug in die Playoffs gereicht, sodass nur Tom und Sascha die Ehre hatten. Hier habe ich einen weiteren Kritikpunkt: Warum gab es keine finale Tabelle? So weiß jeder Spieler nur, ob es zu den besten 8 gehörte oder nicht – Wo genau er aber steht, weiß niemand. Mich würde sehr interessieren, ob mein einer Sieg mich nun auf Platz 16 von 22 (bestmögliche Platzierung mit einem Sieg und damit beim Gesamtranking noch im dritten Viertel der Tabelle) oder nur auf Platz 19 gebracht hat.

Die beiden deutschen Finalisten haben dann auch souverän das Viertelfinale gewonnen. Im Halbfinale musste unser deutscher Tom gegen den belgischen Tom antreten, welches er leider verlor. Sascha konnte sich gegen Marek durchsetzen. Dann folgte das Finale: Tom verlor gegen Marek, da er seine beiden Flieger ziemlich schnell verlor. Sascha verlor nach einem sehr langen, intensiven Finalspiel knapp gegen den belgischen Tom. Somit sieht das Siegertreppchen 2014 wie folgt aus:

1. Belgien (Tom)
2. Deutschland (Sascha)
3. Polen (Marek)

Herzlichen Glückwusch! Vielen Dank für das Turnier und die Möglichkeit, mit so vielen verschiedenen Spielern aus ganz Europa in Kontakt zu kommen! Die weite Reise hat sich wirklich gelohnt! Wenn jetzt die Organisation und vor Allem die Präsentation noch etwas besser wird, dann bin ich wunschlos glücklich 😉

PS: Und um noch irgendwas zu den Waffeln zu sagen: KÖSTLICH!

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    Nachdem ich den Blog in letzter Zeit bis auf die dezente Vergrößerung der Schriftart doch ein wenig vernachlässigt habe (sooo viel Arbeit, sooo viele Tabletopturniere u.a. Europameisterschaft in Belgien (Link), eventuell bald eine etwas größere Ankündi…

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